Foto: Clarissa Dahmen

MUSIK-SALON „Die Herzogin von Chicago“

Highlights aus Emmerich Kálmáns wenig gespielter „Klassik meets Jazz“-Operette als bebildertes Gesprächskonzert – eine turbulente Neujahrs-Gala!

Sonntag 09. Januar 17:00 Uhr AUSVERKAUFT

Mit Elizabeth Wiles (Sopran), Ralf Peter (Tenor) und Thomas Layes (Klavier)

Karten: 15,- Euro / 10,- Euro

Eine Veranstaltung im Rahmen des Gedenkjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ in Kooperation mit der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes (CJAS)

Zum Jahresanfang 2022 bringt der „Musik-Salon am Sonntag“ ein musikalisch wie inhaltlich prächtiges Feuerwerk ins Theater im Viertel und ehrt damit gleichzeitig drei bedeutende jüdische Ton- und Sprachkünstler, deren Schicksale eng mit den politischen Wirren des 20. Jahrhunderts verknüpft sind.

Der Komponist Emmerich Kálmán (1882–1953) gilt als Mitbegründer der silbernen Operetten-Ära. Die Csárdásfürstin oder Gräfin Mariza machten ihn diesseits und jenseits des Atlantiks berühmt. Seine 1928 in Wien uraufgeführte Operette Die Herzogin von Chicago ist heutzutage kaum noch bekannt. Es geht um die absurde Wette einer jungen US-Milliardärin, bis zu ihrem nächsten Geburtstag und kraft ihrer Dollars ein Schloss in Europa samt dazugehörigem Erbprinzen erworben zu haben.

Das Werk lebt von der Spannung zwischen den Elementen der klassischen Wiener Operette (wie Walzer, Csárdás oder Wienerlied) einerseits und dem neu in das Genre eingeführten Jazz, inklusive Charleston und Foxtrott. „Jazz gegen Csardas“, so lautete demgemäß auch die Überschrift einer Uraufführungskritik. Obschon sich beide Stile darin gegenseitig befruchten und sogar versöhnen, führte der Jazz als sogenannte „Entartete Musik“ zum Aufführungsverbot in Nazi-Deutschland. Auch wegen ihrer jüdischen Herkunft waren der Komponist und seine zwei kongenialen Librettisten Alfred Grünwald und Julius Brammer gezwungen, ins Exil zu gehen.

Das Operetten-Genre genoss von jeher einen ambivalenten Ruf: Unterhaltungs-Kitsch für die einen, willkommene Alltags-Flucht für die anderen. Und der „leichten Muse“ war nicht vorrangig an hoher literarisch/musikalischer Qualität gelegen. Doch hier nimmt Die Herzogin von Chicago einen Sonderplatz ein. Das Werk spiegelt zum einen bedeutende globale Entwicklungen nach dem 1. Weltkrieg, nämlich den Clash of Cultures zwischen dem konservativ-rückwärtsgewandten (und verschuldeten) „alten Europa“ und einem aggressiv-materialistischen „jungen Amerika“. Zum anderen trägt das Libretto mit ironischen, ja beinahe verfremdenden Zügen dem wilden Zwanzigerjahre-Zeitgeist Rechnung. Solche für das damalige Publikum neuen Erfahrungen wurden mit einer musikalischen Verve auf die Bühne gebracht, dass es einem auch heute noch den Atem verschlägt.


    DIESE VORSTELLUNG IST LEIDER BEREITS AUSVERKAUFT!